Jetzt bin auch ich im Web 2.0 angekommen. Und los geht es direkt mit einem Blog. Mein Blog ist kein Food-Blog, kein Mode-Blog, kein...sondern ein Text-Blog. Alles was existiert, passiert, schmeckt, aussieht, veranstaltet wird oder einfach nur interessant ist, soll hier in Textform einen Platz bekommen. Ich möchte vor allem verschiedenste Typen von Texten produzieren, die andere interessieren, weiterhelfen oder für alle - außer mich - total nutzlos sind: Eben Wörter in verschiedenen Gewändern.
19. Juni 2015
15. Juni 2015
Bin ich Charlie?
Je suis Charlie – oder auch nicht
Der grausame Anschlag auf das
französische Satiremagazin Charlie Hebdo ist nun fünf Monate her.
Vereinzelt sieht man noch die schwarzen Schilder mit der weißen
Aufschrift „Je suis Charlie“ - auch in Deutschland. Der große
Schreck hat sich gelegt, doch Frankreich wurde in seinen Grundfesten
erschüttert. Die Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Wie kann man
solche schrecklichen Ereignisse verhindern? bleiben.
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| Foto: jackmac34/pixabay.com |
Im Kampf gegen religiösen
Fundamentalismus sollen in Frankreich nun die Schulen eine
entscheidende Rolle spielen. Wenn es nach François Hollande geht
„soll die Schule zu einem Refugium für Höflichkeit,
Freundlichkeit und Respekt werden“. Helfen sollen dabei
verschiedene Maßnahmen, z. B. die Wiedereinführung von Riten und
Symbolen:
- Das Tragen einer Schuluniform
- Das Anbringen der Nationalfahne und Europaflagge an den Fassaden öffentlicher und privater Schulen
- Das Aufhängen der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im Schulgebäude
- Die feierliche Verleihung von Urkunden zum bestandenen baccalauréat* oder brevet*
- Das gemeinsame Singen der Nationalhymne zu feierlichen Anlässen
Doch was genau soll damit bezweckt
werden? Wenn es nach den Politikern der französischen Regierung
geht, soll den Schülern so das Bewusstsein vermittelt werden, dass
die Schule ein republikanischer und geschützter Ort ist. Die
Verleihung von Urkunden als besondere Auszeichnung soll zudem das
Gefühl von Zusammengehörigkeit schaffen. Die Einführung einer
obligatorischen Staatsbürgerkunde in allen Klassen wurde für
September 2015 bereits beschlossen. Damit auch die Lehrer fit sind,
um mit den Schülern Fragen zu Staatsbürgerschaft und Laizismus zu
diskutieren, wurde bereits ein Fortbildungsplan aufgestellt.
Sozialfall gleich Extremist?
Die Charlie Hebdo - Attentäter Saïd
und Chérif Kouachi sind beide in Frankreich geboren und wurden zu
islamistischen Terroristen. Als Gründe für ihre Radikalisierung
werden vor allem ihre sozialen Probleme genannt: Heimaufenthalt nach
dem Tod der Mutter, Gelegenheitsjobs, Obdachlosigkeit. 2006 befand
sich Chérif Kouachi im Gefängnis Fleury-Mérogis in
Untersuchungshaft, wo er sich einer Gruppe von Salafisten anschloss.
Wären die Beiden nicht zu Terroristen geworden, wenn sie sich zur
französischen Gesellschaft zugehörig gefühlt hätten und von ihr
unterstützt worden wären?
Von der Gesellschaft abgetrennt
"Ich fühle mich von Frankreich total
abgeschnitten". Diese Aussage stammt von einem 15-Jährigen, der in
Clichy-sous-Bois, einem Vorort von Paris (in dem die Arbeitslosigkeit
bei den unter 25-Jährigen fast 35 Prozent beträgt (2011)), lebt. An
diesem Statement wird deutlich wie ausgeschlossen sich Jugendliche
aus sozial schwachen Verhältnissen fühlen. Umso verständlicher
wird es, wenn man hört, dass der Teenager seinen Wohnort letztes
Jahr nur zwei Mal verlassen hat. Auch Sozialarbeiter, die in diesen
Vororten arbeiten, bestätigen: "Die Menschen hier sehen keine
Lösung – sie fühlen sich komplett abgeschnitten vom Rest der
Gesellschaft." Wenn sich die Menschen fühlen als würden sie in
einem ganz anderen Land leben, fernab von sozialen und ökonomischen
Vorteilen, ist es nicht verwunderlich, wenn einige von ihnen vom
Extremismus angezogen werden. Die Direktorin einer gemeinnützigen
Organisation fasst es so zusammen: "Viele der Leute hier glauben nur
noch an ihre eigenen Werte, die der Republik haben für sie keinen
Wert."
Sie fühlen sich verlassen von einem
System, das Einigkeit und Solidarität predigt, diese aber nicht
lebt.![]() |
| Foto: Hochhaus in Frankreich/karosieben/pixabay.com |
Probleme der Vergangenheit
Können die geplanten Maßnahmen diesem
Gefühl von „Isolation“ entgegenwirken? In der Schule etwas
gelehrt zu bekommen, das man im täglichen Leben weder erlebt noch
fühlt, könnte eher zu noch größeren Spannungen führen. Haben
sich auch die Brüder Kouachi isoliert gefühlt? Ein Absolvent der
Eliteuniversität Sciences-Po Paris mit algerischen Wurzeln sieht im
Falle der Brüder Kouachi eine zusätzliche Ursache: „Die
Kouachi-Brüder wollten nicht die Ehre des Propheten Mohammed rächen,
sondern sie wollten sich rächen für die Situation ihrer Eltern in
Frankreich und auch für die Geschichte ihrer algerischen Vorfahren“.
In diesem Fall hätten die geplanten Maßnahmen auch nicht geholfen.
Wie sieht es in Deutschland aus? Wären
solche Maßnahmen bei uns sinnvoll?
*baccalauréat: Entspricht unserem
deutschen Abitur
*brevet: Abschlusszeugnis, das nach 9
Jahren Schulpflicht auf dem Collège erlangt wird.
26. Mai 2015
Round-Kick gegen glyphosathaltige Pestizide
Glyphosathaltige Pestizide – Schädlich für Flora, Fauna und den Menschen
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| Foto: Pestizidanwendung im Reisfeld/wuzefe/pixabay.com |
Die WHO hat Glyphosat als
„wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Die Chemikalie ist in vielen Unkrautvernichtungsmitteln enthalten, die in Garten- und
Baumärkten für jeden „Gartenfreund“ käuflich zu erwerben sind.
Bei meinem letzten Besuch in einem Hoeren-Gartencenter in Bottrop
fiel mir dort die große Auswahl an Pestiziden auf – allen voran
das glyphosathaltige „Roundup“
Allein in Deutschland gibt es 92
Produkte, die Glyphosat enthalten. Als wäre der exzessive Gebrauch
des Pestizids in der konventionellen Landwirtschaft nicht schon
genug, kann jeder Hobbygärtner damit die so ungeliebten „Unkräuter“
vernichten, die das Bild des perfekten Gartens zerstören.
Wohin das führt zeigen Angaben der WHO, nach denen Glyphosat bereits in Lebensmitteln, im Wasser und in der Luft gefunden wurde.
Wohin das führt zeigen Angaben der WHO, nach denen Glyphosat bereits in Lebensmitteln, im Wasser und in der Luft gefunden wurde.
Die toom-Baumärkte haben bereits
reagiert und nehmen Pestizide, die den Wirkstoff enthalten bis Ende
September 2015 aus dem Sortiment. Auch Schweizer Unternehmen gehen
diesen Weg: Die Handelsketten Migros und Coop nehmen Glyphosat aus
ihren Läden. Doch reicht das bei Weitem nicht. Deshalb habe ich
heute die Hoeren Gartencenter GmbH per Email gebeten,
glyphosathaltige Pestizide aus dem Sortiment zu verbannen. Wenn auch
Ihnen in Gartencentern oder Baumärkten solche Mittel auffallen,
scheuen Sie sich nicht und fordern Sie die Unternehmen auf
verantwortungsvoll zu handeln und diese Pestizide nicht mehr zu
verkaufen.
Für die Flora, die Fauna und die Menschen!
Nachtrag: Das von mir erwähnte Gartencenter hat bereits auf meine E-Mail geantwortet und mir mitgeteilt, dass sie glyphosathaltige Pestizide bis Mitte - Ende des Jahres komplett aus dem Sortiment nehmen.
Für die Flora, die Fauna und die Menschen!
Nachtrag: Das von mir erwähnte Gartencenter hat bereits auf meine E-Mail geantwortet und mir mitgeteilt, dass sie glyphosathaltige Pestizide bis Mitte - Ende des Jahres komplett aus dem Sortiment nehmen.
28. April 2015
Workers’ Memorial Day
Glosse
Arbeit ist das ganze Leben
„In einer Welt, in
der man nur noch lebt, damit man täglich roboten geht...“ sangen
die Toten Hosen 1988, als sie noch keine Schmuseband à la Pur waren.
Hat sich in den folgenden 27 Jahren etwas verändert?
Nein. Es ist
nur noch schlimmer geworden. Denn täglich heißt für manche
Arbeitnehmer mittlerweile Montag bis Sonntag. Und wer sonntags nicht
hinter der Theke steht und Brötchen verkauft, schaut vielleicht doch
mal kurz im Smartphone die Arbeitsemails nach und geht trotzdem ans
Telefon, obwohl der Chef an einem Samstagabend anruft. Arbeit ist
alles in unserer Gesellschaft.
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| Foto: JoaquinAranoa/pixabay.de |
Die Deutschen arbeiteten 2013
durchschnittlich 40,4 Stunden pro Woche. Fast drei Stunden mehr als
sie müssten. Und warum? Gibt es zu viel Arbeit für zu wenig
Menschen? Angesichts der Arbeitslosenzahlen wohl kaum. Haben die
Leute keine Lust auf Freizeit? Kaum zu glauben.
Doch wer Arbeit hat und mehr leistet als gefordert, der kann sich in der Anerkennung anderer sonnen bis er krebsrot wird. Wer Leistung bringt, wird geliebt. Wer faulenzt, wird geächtet. So einfach ist das. Doch woher kommt das? Wieso werden wir nicht dafür gelobt, wenn wir schonend mit unseren Ressourcen umgehen und lieber im Wald spazieren gehen, als vor lauter Arbeit den Wald nicht mehr zu sehen? Ehrlich gesagt: ich habe keinen blassen Schimmer. Ich verstehe sie nicht, diese Arbeitsroboter, die sich krumm machen, um vom Chef mit einem Lächeln bedacht zu werden. Überstunden? „Ach, die mach ich doch gerne.“, „Das muss halt sein“, „Sonst läuft der Laden nicht richtig“. Solche Sätze sind keine Seltenheit, auch weil sie mit wohlwollendem Nicken bedacht werden. Was würde passieren, wenn die buckelnde Bevölkerung Sätze zu hören bekäme wie:
„Du bist doch verrückt“ oder „Wie kann man nur so dämlich sein“? Da würden sie mit Sicherheit ganz schön dumm aus der Wäsche schauen. Einen Versuch wäre es wert, nächstes Mal, wenn der Schwager mit wehender Krawatte von der Arbeit zur Geburtstagsfeier hechtet und sich keuchend mit dringenden Telefonaten als Grund für das Zuspätkommen entschuldigt. Und vom Geburtstagskuchen bekommt er dann auch nichts mehr!
Am 28. April ist Worker's Memorial Day: Der internationale Tag des Gedenkens an Lohnarbeiter, die aufgrund von Arbeit erkrankt sind, verletzt oder getötet wurden.
Doch wer Arbeit hat und mehr leistet als gefordert, der kann sich in der Anerkennung anderer sonnen bis er krebsrot wird. Wer Leistung bringt, wird geliebt. Wer faulenzt, wird geächtet. So einfach ist das. Doch woher kommt das? Wieso werden wir nicht dafür gelobt, wenn wir schonend mit unseren Ressourcen umgehen und lieber im Wald spazieren gehen, als vor lauter Arbeit den Wald nicht mehr zu sehen? Ehrlich gesagt: ich habe keinen blassen Schimmer. Ich verstehe sie nicht, diese Arbeitsroboter, die sich krumm machen, um vom Chef mit einem Lächeln bedacht zu werden. Überstunden? „Ach, die mach ich doch gerne.“, „Das muss halt sein“, „Sonst läuft der Laden nicht richtig“. Solche Sätze sind keine Seltenheit, auch weil sie mit wohlwollendem Nicken bedacht werden. Was würde passieren, wenn die buckelnde Bevölkerung Sätze zu hören bekäme wie:
„Du bist doch verrückt“ oder „Wie kann man nur so dämlich sein“? Da würden sie mit Sicherheit ganz schön dumm aus der Wäsche schauen. Einen Versuch wäre es wert, nächstes Mal, wenn der Schwager mit wehender Krawatte von der Arbeit zur Geburtstagsfeier hechtet und sich keuchend mit dringenden Telefonaten als Grund für das Zuspätkommen entschuldigt. Und vom Geburtstagskuchen bekommt er dann auch nichts mehr!
Am 28. April ist Worker's Memorial Day: Der internationale Tag des Gedenkens an Lohnarbeiter, die aufgrund von Arbeit erkrankt sind, verletzt oder getötet wurden.
14. April 2015
Psychodrama im Krimigewand
Rezension
Ingrid Elfberg: Die Frau des Polizisten
Eine
Kriminalkommissarin ist trainiert, abgebrüht, clever und weiß sich
zu verteidigen. Erika Ekmann ist es nicht. Jedenfalls nicht im
Privatleben. Ihr Mann, der schöne Hüne mit dem blonden Haar und den
stechend blauen Augen, misshandelt sie. Physisch und Psychisch. Nach
jahrelanger Demütigung schafft es Erika in einer Nacht- und
Nebelaktion zu entfliehen. Geplant hat sie trotzdem alles, auch ihre
Versetzung auf eine Vertretungsstelle bei der Polizei in Göteborg.
Dort
findet sie Unterschlupf bei ihrer Freundin Anna und deren Mann
Krister. Ablenkung bietet auch direkt der Fall der verschwundenen
Architektin Barbro. An der Seite ihres neuen Kollegen Per beginnt ein
ziemlich ergebnisloser Befragungsmarathon. Doch außer Drohungen von
unzufriedenen Antragstellern, gibt es keine Spur, die Barbros
Verschwinden erklären könnte. Zu einem wirklichen Problem wird das
Auftauchen von Göran, Erikas Mann. Er zettelt eine Hetzkampagne
gegen sie an, schafft es mit Lügen, sie bei den neuen Kollegen und
Vorgesetzten in Misskredit zu bringen. Das geht soweit, dass Erika
ihre Dienstwaffe abgeben muss. Und dann lauert er ihr auf.
Der
zweite Roman der schwedischen Autorin Ingrid Elfberg lebt vor allem
von der Beschreibung der Umgebungsstimmung und dem persönlichen
Drama der Protagonistin. Der Fall um die verschwundene Architektin
spielt eher eine nebengeordnete - und teilweise sogar langweilige - Rolle und bildet nur den Rahmen für
die wirklich spannende Geschichte des Beziehungsdramas. Der innere
und äußere Konflikt, den Erika auszutragen hat, lässt den Leser
mitfühlen und Angst, um die Kommissarin verspüren. Das
Psychodrama ist der eigentliche Fall.
Ingrid Elfberg
Die Frau des Polizisten
Aufbau Verlag
Die Frau des Polizisten
Aufbau Verlag
9,99 €
2. April 2015
Milch macht müde Männer munter, oder?
Die Milchquote macht's – nicht mehr
![]() |
| Kühe im Stall. (Foto: franzl34/pixabay.com) |
50
Kühe grasen friedlich auf einer Weide. Ihre Milch verkaufte
der Bauer zuletzt
für 29,5
Cent/kg. Seit
August 2012 liegt der Erzeugerpreis
damit erstmals
wieder unter der 30-Cent-Marke.
Seit
Monaten befindet
sich der Preis auf
einer Talfahrt. Eine
Katastrophe, vor allem für Bauern mit einer geringen
Anzahl
an Milchvieh. Die laufenden Kosten lassen sich damit
nur schwerlich decken. Kein Narr, wer dabei ans Aufhören
denkt. Denn zusätzlich zu dem enormen Preisdruck, fällt jetzt auch
noch die europäische Milchquote weg. Das
seit 1984 bestehende Instrument wurde
von der Europäischen Gemeinschaft eingesetzt, um den
Markt vor den
„Butterbergen“ und „Milchseen“ der
1980er Jahre zu
schützen und somit
die Preise für den Erzeuger stabil zu halten. Deutschland
entschied
sich damals dafür, das Modell der Produktionsquote anzuwenden.
Jeder
Milcherzeugerbetrieb konnte eine bestimmte Quote erwerben und war
somit
auf
eine vorgeschriebene
Produktionsmenge
an Milch festgelegt.
Um
die
Produktion ausweiten zu können, war es bisher nötig, Quote dazu zu
kaufen. Durch
das mehrheitliche Votum der EU-Mitgliedsstaaten wird die Milchquote
nun nach 30 Jahren zu Grabe getragen. Landwirte
können jetzt
soviel Milch produzieren, wie sie möchten. Um
einen harten Aufprall zu vermeiden, wurde die Quote bereits jährlich
um ein Prozent angehoben.
„Wachsen
oder weichen“
Deutschland
gehört neben Neuseeland,
den
USA,
Frankreich,
Australien
und
Irland bereits zu den Ländern mit den höchsten Milchüberschüssen.
Die Überschüsse wurden
bisher
zu
großen Teilen
von Asien
(mit
55% der Weltimporte, Stand
2013)
aufgekauft.
Die
Nachfrage aus China ist seit
Kurzem allerdings
rückläufig.
Auch
die Russische Föderation, die zu den Ländern mit den höchsten
Milchproduktionsdefiziten gehört, ist
ein großer Abnehmer. Doch
wird
das
aufgrund seiner Ukraine-Politik
mit EU-Sanktionen belegte Russland momentan
nicht mit Milch beliefert.
Das
übt Druck auf die Erzeugerpreise aus. Größere Milchmengen
gepaart
mit einer
geringeren
Nachfrage
werden unweigerlich zu einer
Senkung bei den Verbraucherpreisen führen. Die
Kunden wird es freuen. Doch
was ist mit den Milcherzeugern? „Der freie Markt wird einen großen
Anpassungsdruck ausüben, wachsen oder weichen“, so
sieht es Albert Trimborn aus Lohmar. Der
staatlich geprüfte Landwirt betreibt
das Bauerngut Schiefelbusch mit 60 Milchkühen. Er
gehört
zu
den kleinen Milcherzeugerbetrieben, die den extremen Schwankungen des
Weltmarktes schutzlos ausgeliefert sein
werden.
Um
sich dagegen zu wappnen, setzt der Landwirt, wie einige andere seiner
Kollegen, auf eine Direktvermarktung seiner Milch und Milchprodukte.
„Wir haben schon reagiert und verarbeiten einen Teil unserer Milch
auf dem Hof zu Käse und bieten Milch auf dem Hof direkt zum Kauf an.
Dies werden wir in Kürze durch eine Milchzapfstelle
professionalisieren. Weitere Schritte, wie das Abpacken der Milch und
der Verkauf in nahen Verbrauchermärkten sind
angedacht.“ Andere
Höfe werden auf Wachstum setzen und die
Milchviehanzahl
erhöhen.
Eine
Tendenz dazu
ist bereits
sichtbar. Denn
in allen Regionen
Deutschlands wächst die
durchschnittliche
Herdengröße.
Im
Mai 2014 wurden in Deutschland 12,7 Millionen Rinder gehalten. Zum
Jahr davor bedeutet
das einen
Anstieg von einem
Prozent.
Die
Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Höfe mit 1.000 und mehr Kühen
häufiger werden.
Eine
Entwicklung, die der
Deutsche Bauernverband wohl
genauso
begrüßt,
wie
die
Entscheidung gegen die Weiterführung der Milchquote. „Für unsere
Milchbauern ist dies ein denkwürdiger Termin. Der Milchmarkt wird
wie in den übrigen Agrarmärkten (...)
nicht mehr planwirtschaftlich verwaltet, sondern gestaltet sich durch
Angebot und Nachfrage“, erläutert der Deutsche Bauernverband auf
seiner
Verbandswebseite.
Sahen
viele Verbandsmitglieder in
der Milchquote doch
vor allem eine Geldmelkmethode der
EU.
Da
die Bauern
Millionen
Euro als Superabgabe an
Brüssel
zahlten
und
für Wachstumswünsche zusätzlich
in den Kauf von mehr Quote investieren mussten.
Dies
betraf aber hauptsächlich
Großbetriebe, denen
der Bauernverband
bis
heute große
Unterstützung zukommen lässt.
Molkerei-Multis
übernehmen den Markt
„Im
Biobereich lässt
sich die Produktion kaum erhöhen, da hier der begrenzende Faktor
nicht die Quote ist, sondern die Vorgaben
des Ökolandbaus. Ob aber die Preise für Bioprodukte in den Sog der
günstigen konventionellen Produkte geraten, kann man heute noch
nicht beantworten“, bewertet
die
Biomolkerei Söbbeke den Wegfall der Milchquote für
den Biosektor.
Die
Mehrheit an Söbbeke wurde 2013
vom
französischen Molkereiriesen Bongrain übernommen. Wie
biologische Milchwirtschaft und die Übernahme durch einen
Molkerei-Multi zusammenpassen, beschreibt
die Biomolkerei Söbbeke in
einer Pressmitteilung so:
„In
den vergangenen Jahren habe ich die Familie Bongrain gut kennen und
schätzen gelernt. Beide Familien respektieren uneingeschränkt die
Werte und die Identität der Biomolkerei Söbbeke. Mit diesem Schritt
ist die Biomolkerei Söbbeke als weiterhin selbständiges Unternehmen
auf die stark wachsenden Anforderungen des Marktes bestens
vorbereitet“.
Denn
nicht
nur bei
den Milchviehbetrieben,
sondern auch bei den Molkereien heißt es: größer und weniger. Von
1950 bis 2015 wird sich die Anzahl der Molkereien in Deutschland von
3401 auf 70 verkleinert
haben. Multinationale
Unternehmen wie Friesland-Campina oder Arla bestimmen den Markt.
Kleine Molkereien
haben da nur noch eine Chance, wenn sie sich, wie im Falle der
Upländer Bauernmolkerei, zu einer eigenen Molkerei
zusammenschließen. Denn auch in der Bio-Branche scheint kein Weg an
einer Marktbestimmung durch Großunternehmen vorbeizuführen. Sobald
die Supermärkte, allen voran die Discounter, einen niedrigeren Preis
diktieren, haben auch
die
Molkereien nicht viel entgegenzusetzen. Die
Molkereikonzerne müssen sich gegen Konkurrenten durchsetzen. Zweimal
im Jahr handeln die Konzerne neue Abnehmerpreise mit dem Einzelhandel
aus. Verschiedene
Faktoren
beeinflussen
die Verhandlungen.
Die
Milchpreise hängen natürlich auch
von
der
Nachfrage der Verbraucher ab. Börsenspekulationen
tragen aber unabhängig von der Nachfrage zu schwankenden Preisen
bei.
„Die
Tierhaltung verändert sich“
Um
für die Milchproduzenten eine Hilfe zu schaffen, die sie auf dem
freien Markt unterstützt, hat die Europäische Union die Europäische Milchmarktbeobachtungsstelle in
Leben gerufen. Aktuelle
Informationen
zu
Milchpreisen,
Produktionsmengen und -kosten sowie Entwicklungen am Weltmarkt sollen
den Bauern helfen, zeitnah reagieren zu können. Trotz
angekündigter Hilfestellung seitens der EU, sehen Kleinbauern den
Wegfall der Milchquote und den damit verbundene Wachstumsdruck auf
Milcherzeuger kritisch: „Es wird zu den selben Erscheinungen kommen
wie in den anderen „freien“ Märkten. Die einen werden sich als
Kostenanpasser zum Wachsen gezwungen sehen, wodurch sich die
Tierhaltung verändern wird. Stallhaltung
als kosteneffiziente Haltungsform wird bevorzugt werden."
Valentin
Thurn, Regisseur des Films Taste the Waste, äußert
sich in einem Interview mit dem WDR noch
kritischer:
„Je
größer ein Hof oder Betrieb ist, desto schwieriger wird es,
nachhaltig zu produzieren. Bei Betrieben ab einer Größe von 100
oder 200 Kühen werden die Tiere vorwiegend
mit Kraftfutter ernährt. Das muss aber auf dem Acker angebaut
werden. Und das ist gegenüber dem Grünland für das Klima eine
Katastrophe. Wenn man dagegen für das Futter Maismonokulturen anbaut
oder Soja - etwa in Lateinamerika, wo auch noch Regenwald abgeholzt
wird -, dann beschleunigt das die Klimaerwärmung. Deswegen ist der
gegenwärtige Trend bei der Milcherzeugung absolut katastrophal für
unsere Umwelt." Diese
weitreichenden Konsequenzen scheint in den EU-Mitgliedsstaaten
niemand in Betracht gezogen zu haben, als
die Entscheidung für eine Verbannung der Milchquote aus den
europäischen Ställen getroffen wurde.
30. März 2015
Krimi oder Thriller?
Stefan Ahnhem: Und morgen du
Was passiert wenn ein bekannter
schwedischer Drehbuchautor einen Kriminalroman schreibt? Richtig: es
wird spannend. Denn was sonst in Bildern über den Fernsehschirm
flimmert, beschreibt der Autor hier detailreich mit Worten. Und
morgen du ist Stefan Ahnhems erster Roman und der Beginn einer
Krimiserie um den Kommissar Fabian Risk.
Nach etlichen
Jahren bei der Stockholmer Mordkommission,
zieht es den Kommissar Fabian
Risk mit seiner
Familie wieder
in seine Heimatstadt Helsingborg. Sein
letzter Fall
in Stockholm und
dessen Verwicklungen zerstörten
fast seine Ehe und
führten zu der Rückkehr. Eine neue Stelle, eine neue Stadt, ein
neues, besseres Familienleben. So wünscht es sich Risk. Doch obwohl
er eigentlich noch Urlaub hat, steht seine neue Vorgesetzte Astrid
Tuvesson unvermittelt vor seiner Haustür und bittet ihn um seine
Hilfe. In seiner alten Schule
wurde ein Mordopfer gefunden – mit abgetrennten Händen. Risk soll
nur bei der Identitätsfeststellung helfen und dann wieder in seinen
Urlaub zurückkehren. Doch sein
Spürsinn ist geweckt und er stürzt sich in die Ermittlungen. Das
zweite Opfer bestätigt den Verdacht, dass der Mörder es auf Fabians
damalige
Klassenkameraden abgesehen hat. Jetzt ist Fabian auch persönlich
involviert. Seine
Frau, seine Tochter und
sein Sohn Theodor,
zu dem er schon lange keinen
Draht mehr hat, müssen wieder
einmal ohne ihn auskommen. Der
Täter ist dem Ermittlungsteam immer einen Schritt voraus. Denn
die schwedischen Ermittler, die vermeintlich
um das Motiv des Täters
wissen, tappen in Wirklichkeit im Dunkeln. Und so geraten Fabian und
seine Familie ins tödliche Visier des Täters.
Blutig und verwirrend
Stefan
Ahnhem geizt nicht mit blutigen Details, perfiden Mordmethoden und
verwirrenden Finten. Die Bezeichnung Kriminalroman ist etwas zu tief
gegriffen. Thriller trifft es da eher. Also nichts für schwache
Nerven. Das Privatleben des Kommissars hat
einen angemessenen Anteil an der Geschichte.
So entsteht vor dem lesenden Auge ein scharfes Bild des Kommissars,
seines Charakters, Berufs- und Familienlebens. Wie bei dem
ersten Roman
einer
Krimireihe
fast
schon üblich,
wird die Vergangenheit des Kommissars immer
wieder angerissen,
ohne
zu verraten was genau passiert
ist.
Das geschieht erst
von Roman zu Roman und meistens
häppchenweise. Ahnhem
baut
gekonnt Spannung auf und führt
den Leser in die Irre. Trotzdem gibt
es
immer wieder
Indizien, die dazu führen, dass man Schlüsse
zieht von denen man sich
aber
nie
sicher sein
kann,
ob sie
stimmen oder nicht. Der
Leser ermittelt mit und das macht das Buch zu einer kurzweiligen und
mitreißenden Lektüre.
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